Fachtagung „Wissen schaf(f)t Teilhabe - Integration und Sport“

Akteure im Themenfeld Integration diskutieren Zukunftsfragen

Podiumsdiskussion auf der Fachtagung in Berlin. v.l. Walter Schneeloch (DOSB), Werner Stürmann (MFKJKS NRW), Winfried Kneip (Stiftung Mercartor), Dr. Manfred Schmidt (BAMF), Prof. Dr. Sebastian Braun (HU Berlin) und Moderatorin Dunja Hayali (ZDF). (Foto: LSB NRW, Andrea Bowinkelmann)

Etwa 200 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaften, Stiftungen und Praxis kamen am 18. Juni 2012 in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin zusammen, um vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Integrationspotenziale des Sports zu diskutieren. Dabei ging es auch um die Grenzen der gesellschaftlichen Integration und Teilhabe durch Sport. Die Teilnehmer kamen sowohl aus dem wissenschaftlichen Umfeld, wie auch aus dem praxisbezogenen Vereinssport. Beide Erfahrungswelten zusammenzubringen – Forschungsergebnisse und Erlebtes im vereinsorganisierten Sport – war eines der Ziele der Fachtagung.

Ausgerichtet wurde die von der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali moderierte Tagung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem Deutschen Olympischen Sportbund, dem Landessportbund Nordrhein-Westfalen, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Stiftung Mercator und der Heinz-Nixdorf-Stiftung sowie dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dokumentation der Fachtagung "Wissen schaf(f)t Teilhabe" zum Initiates file downloadDownload 


Ein enger Zeitplan mit Reden, Vorträgen und Diskussionsrunden lag vor den Tagungsteilnehmern. In fünf parallelen Workshops konnten diese je nach Interessengebiet ihre Kenntnisse vertiefen. In den Pausen nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Werner Stürmann, Abteilungsleiter Sport im Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, griff gleich zu Beginn das Wortspiel in der Überschrift der Tagung „Wissen-schaf(f)t-Teilhabe“ auf und sagte: „Erfolgreiche Integrationsarbeit im Sport braucht Wissen. Wissen kann Missverständnissen vorbeugen, kann Vorurteile abbauen und Ausgrenzung verhindern. Wissen fördert das Verständnis für Vielfalt, andere Kulturen und unterschiedliche Interessen und es macht neugierig auf andere Menschen.“ Diese Auffassung teilte auch die Leiterin der Abteilung Migration, Integration und Flüchtlinge im Bundesministerium des Innern, Gabriele Hauser. Sie sagte, dass Sport zwar zu Recht als der gesellschaftliche Integrationsmotor bezeichnet wird, Integration durch Sport jedoch kein Selbstläufer sei.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in Deutschland betonte der Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Walter Schneeloch, dass „Integration auf der Grundlage eines neuen Verständnisses von Willkommenskultur als zentrale Querschnittsaufgabe für die weitere Vereinsentwicklung zu begreifen und zu verankern“ sei. Die Debatte um Interkulturelle Öffnung sei noch immer geprägt „von dem Denkansatz des ‚wir‘ und ‚die anderen‘.“ Zukünftig müsse es darum gehen, „ein ‚neues gesellschaftliches Wir‘ zu suchen.“ Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, ergänzte: „Wir müssen die Vorurteile abbauen. Unsere Gesellschaft hat sich doch in den letzten Jahrzehnten schon erheblich verändert. Ich habe den Eindruck, dass wir diese Realitäten immer noch nicht richtig wahrnehmen.“

Professor Dr. Sebastian Braun präsentierte in einem Impulsvortrag aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Besonders wichtig war ihm, dass für Menschen, bei denen mehrere Ungleichheitsmerkmale, wie Migrationshintergrund, schwierige ökonomische Lage und Bildungsferne aufeinandertreffen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so gestaltet werden müssten, dass sie schon in einer frühen Lebensphase ihre individuellen Fähigkeiten entwickeln können.

In einer abschließenden Diskussionsrunde „Sport braucht Integration – Integration braucht Sport“ wurde über Zukunftsfragen diskutiert. Dabei sagte Schneeloch, dass es im Interesse der Zukunftssicherung der Vereine liege, sich interkulturell zu öffnen. Schmidt betonte, dass die Menschen mit Migrationshintergrund ein Teil unserer Gesellschaft seien. Es dürfe nicht der Gedanke transportiert werden: „Hätten wir das demographische Problem nicht, dann bräuchten wir euch auch nicht im Verein.“

Integration sei „ein sperriges Thema“, räumte Braun zum Abschluss der Tagung ein. Dunja Hayali erwiderte, dass es eigentlich doch ganz einfach sei: „Man muss nur miteinander reden.“

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